Martina Ziegler

„Multiple Abstrakte Portraits“

Text: Cara Broekmann

Seit dem Jahr 2011 widmet sich die freischaffende Künstlerin Martina Ziegler hauptsächlich dem Sujet des Portraits und überzeugt den Betrachtenden hierbei mit ihrer individuellen und vor allem innovativen Technik, mit der sie es schafft, eine ganz neue Sichtweise auf dieses Genre zu vermitteln.

Zieglers Kunst baut auf einem bestimmten Konzept auf, welches alle ihre Werke miteinander verbindet. Sie beschränkt sich nicht nur auf die Malerei, sondern begibt sich im fortlaufenden Prozess ihres Schaffens in eine nächste Ebene, indem sie das Medium der Fotografie integriert.

Beginnend mit einem sehr naturalistischen Portrait auf Leinwand, entsteht hier der „Urtyp“ der „Multiplen Abstrakten Portraits“ – oder auch genannt die „Muttermatrix“. Ziegler arbeitet collagenartig, indem sie sich Fotofragmente heraussucht, beispielsweise die Augen einer bestimmten Person und diese anschließend malerisch auf die Leinwand überträgt. Das Aufspalten und anschließende, erneute Zusammensetzen der Gesichtsmerkmale, erinnert hier an kubistische Züge. Dieser Schritt wird in Zieglers Schaffensprozess als „Cross-Over“ bezeichnet und verdeutlicht die Verbundenheit der verschiedenen Personen ihrer Portraits miteinander. Dies bedeutet, dass dieselben Augen eines Urtyp-Werkes in einer späteren, deutlich abstrahierten Person wiederzufinden sind. Ziegler bezeichnet diese Werke demzufolge als „Töchter“ oder „Cousinen“ ihrer „Muttermatrix“.

Durch die Zusammensetzung einzelner Fragmente entsteht nicht nur eine neue Ästhetik, sondern auch ein ganz ungewohnter, spiritueller Ansatz. Ziegler verknüpft auf dieser Ebene die analoge Malerei mit der modernen Digitalität. In ihren aktuelleren Arbeiten sind daher kaum noch Leinwände zu finden, sondern hauptsächlich digitalisierte Portraits, die hochauflösend als C Prints gedruckt und unter Glas präsentiert werden.

Sie selbst beschreibt dieses Konzept als eine „Verschränkung intuitiver malerischer Imagination und digitaler Dekonstruktion“. So entstehen unter anderem auch die Begriffe „die magische Doppelhelix“ und das „Metafoto“, welche den Kerngedanken Zieglers Arbeiten beschreiben. Gerade der Neologismus „Metafoto“ verbirgt eine spannende Vorstellung. Er verdeutlicht zum einen den Prozess der Metamorphose – also der Verwandlung des bisherigen Seins in einen neuartigen Zustand und veranschaulicht zum anderen die extrem ausgeklügelte, analog und digital verschränkte Methodik der kreativen Bearbeitung ihrer Werke. Trotz der starken Abstrahierung bei diesem Prozess, bleiben die Portraits bestehen.

Dieser Ansatz zeigt nicht nur die Vielschichtigkeit Zieglers Technik, sondern auch die ihres visionären und kreativen Denkens. Es geht in ihren Werken vor allem um verschiedene Rollenbilder, die jeder von uns einnimmt – um die eigene Identität, um Täuschung und getäuscht werden. Wer sind wir und woher kommen wir? Und in welcher Verbindung stehen wir zueinander? Diese fundamentalen Fragen gibt die Künstlerin den Betrachtenden zu Beginn ihrer Ausstellung mit auf den Weg und regt somit zum Denken über das eigene Bewusstsein, die innere und die äußere Wahrnehmung an.